(K)ein Weihnachtsmärchen: Das Erfolgsprojekt Untere Bahnstraße
Aller Anfang ist schwer – das gilt mitunter auch fürs das Zusammenleben in einem neuen Zuhause. Manchmal sind diese Anfangsschwierigkeiten aber die Initialzündung für innovative Lösungswege. Ein gutes Beispiel dafür ist die, von der Wohnbaugruppe ENNSTAL vor vielen Jahren ins Leben gerufene, Siedlungsbetreuung. Sie sorgt seither für ein „friedliches“ Miteinander und das nicht nur zur Weihnachtszeit.
Es klingt ein bisschen nach Weihnachtsmärchen, aber die handelnden Personen sind ganz real. Es ist schon viele Jahre her, dass es in einem Objekt der Wohnbaugruppe ENNSTAL gehäuft zu Konflikten kam. „Es war und ist ein sehr multikultureller Bewohnerkreis, der in der Siedlung in der Unteren Bahnstraße wohnt“, so Magdalena Liebethat zur damaligen und heutigen Situation.
„Da der Beginn in den Sommer fiel, habe ich mich einfach in den Hof gestellt und mit sogenannten ‚Hofgesprächen‘ begonnen“, erzählt Liebethat, die im Zuge dieses Konfliktbewältigungsprozesses zur Siedlungsbetreuerin und Mediatorin der Wohnbaugruppe ENNSTAL avancierte, von den Anfängen dieses außergewöhnlichen Services für ein besseres Zusammenwohnen.
Viele der Bewohner haben mir ihre Sorgen und Probleme offengelegt, sich geärgert, sich zurückgezogen und sich über Nachbarn beschwert, die ihrer Ansicht nach zu laut sind oder auch mit dem Gedanken gespielt, dort auszuziehen. So haben wir, gemeinsam mit engagierten Bewohnerinnen – mit Kinderprojekten und Hausversammlungen begonnen, weil das immer auch ein guter Weg ist, die Erwachsenen zu erreichen.“
In der Folge hat man den Bewohnerinnen und Bewohnern einen alten Luftschutzkeller zur Verfügung gestellt, den sie zu einem Gemeinschafstraum umgestaltet haben. Alles wurde in Eigenregie gemacht! Die Männer haben beispielsweise gemeinsam den Boden verlegt, die Wände ausgemalt u.v.m., was sie rasch zusammengeschweißt hat. Das Ganze hat sich so gut entwickelt, dass sich Magdalena Liebethat nach einigen Jahren als Vermittlerin zwischen den Parteien zurückziehen konnte, weil das Zusammenleben gut funktioniert hat. Viele der BewohnerInnen haben den entspannten Kontakt untereinander als Wohltat wahrgenommen. Miteinander reden… ist ein Schlüsselwort und tut allen, die sich daran beteiligen, sehr wohl. Es verändert sich die gesamte Stimmung in einer Siedlung und das nimmt jeder in irgendeiner Form wahr und wird als Wohltat empfunden. „Und wenn ich nicht mehr so gebraucht werde, dann ist das meine schönste Belohnung“, freut sich die Mediatorin über das gelungene Projekt.
In dieser Wohnhausanlage hat damals auch das Haus.Kultur-Konzertprojekt gestartet. Hochprofessionelle Musiker unter dem künstlerischen Leiter Erich Oskar Hütter und der Unterstützung der Wohnbaugruppe gestalteten, gemeinsam mit den Bewohnern und den Kindern ein Hofkonzert. Dazu sollten die Bewohner ihre Wohnungen öffnen, um die Musiker auf ihre Balkone zu lassen, was eine Herausforderung war. Letztlich hat aber jeder Musiker von einem anderen Balkon aus in den Hof gespielt, von wo aus der Dirigent dirigiert hat. Die Frauen der Siedlung haben für diesen Abend ein unglaubliches Buffet für alle Bewohner und die zahlreichen Gästen von außen, vorbereitet. Eine Tanzpädagogin hat mit den anfangs sehr scheuen Kindern der Siedlung eine tolle Aufführung auf die Beine gestellt. Alle waren richtig stolz auf ihre Wohnanlage und es wurde noch lange darüber geredet.
Ausgehend von diesem Objekt in der Unteren Bahnstraße hat sich die Siedlungsbetreuung entwickelt.
„Wenn es so wie hier gelingt, sich mit seiner Siedlung und seinen Nachbarn zu identifizieren, haben alle gewonnen – dann ist Zusammenleben gelungen!“, freut sich Magdalena Liebethat über das gute Miteinander.
