„Man darf auch einfach mal ‚nur‘ in die Luft schauen“
Warum man ganz offen aussprechen sollte, wenn es einem nicht gut geht und man Kinder nicht „bespaßen“ muss: Magdalena Liebethat, Mediatorin und Siedlungsbetreuerin der Wohnbaugruppe ENNSTAL über ein gutes Zusammenleben innerhalb der Familie und mit der Nachbarschaft in herausfordernden Zeiten.
Die Kinder beim Lernen unterstützen, die eigene Arbeit im Homeoffice erledigen und darüber hinaus noch starke Einschränkungen im regulären Alltag: Da ist es nur verständlich, dass einem auch mal alles zu viel werden kann. „Man soll nicht den Anspruch an sich haben, dass im Zusammenleben derzeit alles perfekt läuft. Damit macht man es sich unnötig schwer“, bringt es Magdalena Liebethat, Siedlungsbetreuerin der Wohnbaugruppe ENNSTAL auf den Punkt. „Weder seinen Partner bzw. seine Partnerin noch seine Kinder muss man dauernd bespaßen“.
Es darf auch mal langweilig sein
Viele Erwachsene würden sich einen inneren Stress machen, ihre Kinder nur ja immer beschäftigen zu müssen. „Man darf aber auch mal zulassen, dass bei einem Menschen – und das gilt für Kinder ebenso wie Erwachsene – Langeweile aufkommt. Es ist völlig in Ordnung, auch mal einfach in die Luft zu schauen. Das bietet oft viel Raum für Kreativität und dafür braucht es oft nicht mehr, als zum Beispiel ein Stück Papier, ein Stück Holz oder einen Stein, den man bemalen könnte.
- Fotos von Basteleien aus Holz und Papier werden derzeit auch beim Wettbewerb „Holz die Kamera raus“ gesucht, es gibt Sachpreise zu gewinnen
Malen über Skype
Die regelmäßigen Zusammentreffen zum Malen beim Projekt WohnWerk in der Waagner-Biro-Straße können aufgrund der von der Regierung gesetzten Maßnahmen derzeit zwar nicht stattfinden. Das ist natürlich schade. Aber einfachste Spiele mit Papier, wie Himmel und Hölle, oder auch das Malen kann man problemlos zuhause umsetzen. Ich mache es mit meinem Enkel zum Beispiel so, dass wir während dem Malen skypen und uns dann gegenseitig unsere Kunstwerke zeigen.“
- Magdalena Liebethat ist zwar aktuell ebenfalls im Homeoffice, für Fragen rund um das Zusammenleben in Siedlungen aber telefonisch oder via Mail erreichbar:
- Telefon: 0316/8073-457
Email: magdalena.liebethat@www.wohnbaugruppe.at
Verständnis und Rücksicht für ein gutes Zusammenleben
Für das Zusammenleben in den Wohnungen und Wohnhausanlagen braucht es aktuell ein großes Maß an Rücksicht. „Es herrscht natürlich ein höherer Lärmpegel, wenn Kinder zuhause sind und die Eltern von zuhause aus arbeiten. Ich appelliere da an alle Bewohner und Bewohnerinnen, Rücksicht auf ihren Nachbarn zu nehmen – etwa indem man die Ruhezeiten zu Mittag und am Abend einhält. Und auch, in dem man Verständnis dafür hat, dass sich ein höherer Lärmpegel einfach nicht vermeiden lässt, wenn die Menschen, wie derzeit notwendig, zuhause sind.
Richtig kommunizieren
Eine entscheidende Rolle spielt die Kommunikation. „Es ist ganz normal, dass es in Familien zu Unstimmigkeiten kommt oder einer Person mal die Decke auf den Kopf fällt. Es macht aber einen großen Unterschied, ob ich dann sage ‚lass mich jetzt in Ruhe‘ oder ‚ich brauche jetzt bitte etwas Zeit für mich‘. Und das können Kinder genauso einfordern wie Erwachsene“, verweist Liebethat auf die gewaltfreie Kommunikation. Auch bei Problemen, empfiehlt Liebethat eine offene Kommunikation. Eltern könnten ihren Kindern gegenüber erklären, „heute geht es mir nicht gut, ich mache mir Sorgen….“.
Unterstützung holen
Man muss keineswegs ein „schlechtes Gewissen“ haben, wenn es einem in so herausfordernden Situationen nicht immer gut geht. Außerdem gibt es eine Vielzahl an Unterstützungsangeboten (Rotes Kreuz Kummernummer, Rat auf Draht etc.), die man auf jeden Fall in Anspruch nehmen sollte, wenn es erforderlich ist.
Die App für ein gutes Zusammenleben
Auch über EMMA, die neue App der Wohnbaugruppe ENNSTAL, kann man sich mit den Menschen in der Nachbarschaft vernetzen und z. B. Unterstützung beim Einkaufen, telefonische Nachhilfe oder ein offenes Ohr für Gespräche (z. B. über Videokonferenzen) anbieten oder danach fragen.
(Foto: Patrick Daxenbichler/Adobe Stock)